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Warum ist es mit meinem Pferd nur so kompliziert?

  • 2. Juli
  • 5 Min. Lesezeit


Ich kenne diese Frage nicht nur von mir. Viele Frauen stellen sie sich. Sie haben sich ein

absolutes Verlasspferd nach Hause geholt, eine Lebensversicherung im Gelände. Für die Kinder ein perfektes Pony und als Angstreiterin ein tolles Wiedereinsteigerpferd.

So haben sie es sich vorgestellt. So haben sie dieses Pferd gekauft. Eine Anzeige in den Online-Kleinanzeigen mit Bildern, die sofort das Herz im Sturm eroberten. Also fuhren sie hin, um das Pferd kennenzulernen und sich selbst ein Bild zu machen.

Sofort Feuer und Flamme. Genau das, was sie sich gewünscht haben. Auch die Größe passt perfekt – für Mama und Tochter.

Der Verkäufer rät, das Pony am besten gleich mitzunehmen. Dann könne man sich den Weg sparen, noch einmal zu kommen. Oder er macht das großzügige Angebot, das Pony selbst zu bringen. Dann könne man auch gleich sehen, wo das Pony künftig leben wird. Das klingt wunderbar, zumal die Suche nach einem Anhänger und Zugfahrzeug entfällt.

Abgemacht. Vertrag unterschrieben und das Geld gibt es dann in bar, wenn das Pony im neuen Zuhause angekommen ist.

Ein paar Tage später ist es so weit. Der neue Stall ist hergerichtet. Im Offenstall wird das Pony leben. Also darf der Neuzugang zunächst neben der Herde stehen, in die er später integriert wird. Die Stallbetreiber haben viel Erfahrung mit der Eingewöhnung neuer Pferde.

Aufgeregt steht die Familie auf dem Hof und schaut immer wieder zur Hofeinfahrt. Endlich kommt das Auto mit dem Pferdeanhänger.

Das Pony ist endlich da.

Die Anhängerklappe geht auf und eine völlig verschwitzte Ponystute mit weiten Nüstern kommt aufgeregt rückwärts aus dem Anhänger.

„So eine Anhängerfahrt ist immer wieder aufregend“, sagt der Verkäufer schulterzuckend.

Das Mädchen ist gerade zehn Jahre alt und mindestens genauso aufgeregt, denkt sich ihre Mutter.

„Wir bringen sie erst einmal auf den Paddock neben die anderen. Dann kann sie saufen und sich beruhigen.“

Sie ziehen der kleinen Ponystute das Halfter über die Ohren und lassen sie ihr neues Zuhause erkunden. Sie hat zunächst gar kein Interesse an ihren neuen Menschen. Die Umgebung und die anderen Pferde sind im Moment viel interessanter.

Nach einem kurzen Nasenkontakt mit den Pferden wird einmal gequiekt und das rechte Vorderbein scharrt durch die Luft.

„Was macht sie da?“, fragt die Tochter ihre Mama.

„Ich glaube, sie sagt: Ich tue euch nichts.“

Nach wenigen Minuten beruhigt sich die Stute, geht zum Wasser und anschließend zum Heu.

„Wir kommen später noch einmal wieder.“

Die neue, stolze Besitzerin nimmt den Equidenpass entgegen und überreicht die 2.500 Euro für das Pony.

„Viel Erfolg!“, sagt der Verkäufer, setzt sich ins Auto und fährt davon.

„Er hat gar nicht mehr Tschüss zum Pony gesagt, Mama.“

So oder ähnlich beginnen die Geschichten vieler Pferde, die beim Probereiten freundlich, gelassen und unkompliziert wirken und sich im neuen Zuhause plötzlich zu echten Herausforderungen entwickeln.

Wenn das neue Pferd plötzlich ganz anders ist

In diesem Fall haben Petra und ihre Tochter Nelly eine Tinkerstute gekauft. Fabulous heißt sie, eine süße kleine Rappscheckstute mit viel Behang und einem Stockmaß von etwa 1,40 Metern.

Petra ist Mitte vierzig. Als Jugendliche war sie kaum aus dem Stall wegzudenken. Sobald die Schule aus war, war sie bei den Pferden. Ihre Tochter Nelly wünscht sich schon lange ein eigenes Pony.

Das Pony sollte deshalb einige Kriterien erfüllen:

  • kinderfreundlich

  • leicht händelbar

  • geländesicher

  • solide Grundausbildung

  • gesund

  • verlade- und schmiedefromm

All das hatte Fabulous laut Kleinanzeige. Zudem sah sie einfach unfassbar niedlich aus.

Später waren Petra und Nelly noch einmal am Stall. Sie wollten nach Fabi schauen. So hatte Nelly beschlossen, würde sie ab jetzt heißen.

Doch Fabi zeigte überhaupt kein Interesse an den beiden. Immer wieder drehte sie sich weg, wich aus und ließ sich nicht anfassen.

Was war bloß los? Lag es an der neuen Situation? Lag es an Petra und Nelly, weil sie sie noch nicht kannte?

Die Stallbesitzerin kam zu den beiden.

„Na, da habt ihr euch ja ein Schätzchen angelacht. Das wird noch lustig mit ihr.“

Warum ist es mit meinem Pferd nur so kompliziert?

Die Antwort ist im Grunde immer die gleiche.

Es geht um die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd.

Es geht um zwei Nervensysteme, die in ihrer Vergangenheit gelernt haben, was sie heute ganz selbstverständlich leben. Oft fehlen neue Erfahrungen, die das Zusammensein leichter machen könnten.

Das ist völlig normal und gesund. Wir alle greifen auf das zurück, was uns einmal Sicherheit gegeben hat. Aus dieser Sicherheit möchte unser Nervensystem zunächst nicht heraus.

Unsere Herangehensweisen zeigen, wie wir über viele Jahre gelernt haben – bewusst und unbewusst.

Auch Pferde haben ihr Leben lang gelernt, was sie heute zeigen. Häufig handelt es sich um Überlebensstrategien, die sich in vier grundlegende Reaktionsmuster einteilen lassen.

Die vier Überlebensstrategien beim Pferd

Fight – Kampf

Pferde, deren Nervensystem auf Kampf eingestellt ist, reagieren in unsicheren Situationen mit Angriff oder deutlicher Abwehr. Diese Strategie hat ihnen in der Vergangenheit Sicherheit gegeben.

Flight – Flucht

Das sind die Pferde, die uns in unsicheren Situationen zeigen, wie schnell sie sind. Sie laufen weg, weichen aus oder entziehen sich. Flucht ist ihre Strategie, um Sicherheit herzustellen.

Freeze – Erstarren

Freeze bedeutet völliges Stillhalten und alles über sich ergehen lassen. Diese Pferde werden oft als besonders brav beschrieben. Werden sie jedoch wirklich gesehen und beginnen, Sicherheit zu entwickeln, kann es sein, dass plötzlich Kampf- oder Fluchtverhalten sichtbar wird. Nicht, weil sie schwieriger geworden sind, sondern weil sie nicht länger im Erstarren gefangen sind.

Fawn – Gefallen wollen

Diese Pferde möchten alles richtig machen. Sie spulen Programme ab, von denen sie wissen, dass sie unbeschadet durch die Situation führen. Häufig sehen wir eine Mischung aus Freeze und Fawn. Das Pferd wirkt äußerlich angepasst, innerlich ist es jedoch längst ausgestiegen.

Verhalten ist keine Ursache

Im Fall von Fabulous und Petra zeigt sich zunächst die Fluchtstrategie. Fabi weicht aus.

Wird sie mit viel Druck oder den berühmten „Trick 17“ doch eingefangen, kann das – je nach Situation – in Kampf oder Freeze übergehen.

Traumasensibel mit Pferden und Menschen zu arbeiten bedeutet, wahrzunehmen, was hinter den Worten und hinter dem Verhalten steckt. Jeder Mensch und jedes Pferd hat eine eigene Art, sich seiner Umwelt mitzuteilen.

Methoden nach Schema F können in einzelnen Situationen Sicherheit vermitteln. Mensch und Pferd orientieren sich an diesem Rahmen. Verändern sich die Umstände, entsteht jedoch häufig erneut Unsicherheit.

Dann landen wir sehr schnell bei Kontrolle. Kontrolle ist das Gegenteil von Vertrauen.

Denn dort, wo Kontrolle ist, kann kein Vertrauen entstehen. Vertrauen braucht Raum. Nachhaltige Sicherheit entsteht aus Vertrauen.

Genau dort beginnt meine Arbeit

Genau dort setzt meine Arbeit an. Jedes Pferd und jeder Mensch darf von Anfang an seine Wahrheit sprechen und sich zeigen. Darauf baut jeder weitere Schritt auf.

Ich gestalte meine Arbeit für den einzelnen Menschen und das einzelne Pferd – nicht so, dass Mensch und Pferd in ein fertiges Konzept hineingedrückt werden.

Das sehe ich leider immer wieder in den sozialen Medien. Ich lehne diesen Weg ab, weil dadurch neue Abhängigkeiten entstehen können. Abhängigkeiten von mir als Mentorin, von meiner Strategie oder von einer Methode.

Genau das möchte ich nicht.

Deshalb ist für mich die Arbeit im 1:1 so wichtig. Es gibt keine allgemeingültigen Sätze oder Methoden, die einen Menschen und ein Pferd dazu befähigen, wirklich bei sich selbst anzukommen.

Wenn du mehr zu meiner Arbeit hören möchtest, dann abonniere meinen Podcast Agape Epona by Peaceful with Horses.

Und werde ein Mitglied meiner kostenlose Community bei Telegram. Agape Epona

Ich freue mich auf, dich, bis später.


 
 
 

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