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Vom Westerwald nach Dänemark – Pferderücken, Human Design und ziemlich viele Umwege

3. Okt.
7 Min. Lesezeit
Pferderücken Vermessung mit EQUIscan

Manchmal beginnen neue Wege nicht besonders geradlinig. Meine Reise in den Westerwald zur Qualifizierung für die Pferderückenvermessung mit EQUIscan war dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Schon die Planung war spektakulär genug, dann kamen Zugausfälle, Verspätungen und schließlich ein Hostel, das mich kurzerhand ausgecheckt hatte, weil ich eine Zusatzbuchung haben wollte. Kann man sich nicht ausdenken.

Das Ergebnis dieses Chaos war allerdings deutlich besser als die ursprüngliche Planung. Ich landete in einem wunderschönen Airbnb in Niedersteinebach, mitten in einem Künstlerhaus, und konnte von dort aus ganz entspannt zu EQUIscan nach Obersteinebach laufen. Manchmal muss offenbar erst etwas ordentlich schiefgehen, damit man dort landet, wo es im Nachhinein sowieso viel schöner ist.

Ein Wochenende zwischen Sattelmuseum, Anatomie und ganz viel Pferderücken

Am Samstag ging es ins Sattelmuseum und ich hatte ziemlich schnell dieses typische Gefühl von: Wo soll ich eigentlich zuerst hinschauen? So viele Eindrücke, so viel Wissen und vor allem unglaublich viel Erfahrung von Christoph Rieser. Wir beschäftigten uns mit Anatomie und Biomechanik, brachten beides miteinander in Verbindung und gingen anschließend direkt ans Pferd.

Mein erster Gedanke bei diesem Pferd war tatsächlich: Oh, endlich mal ein Pferd ohne kantige oder speckige Oberlinie. Es gibt sie also wirklich, die gut bemuskelten Pferde. 🙈

Das klingt lustig, ist es aber eigentlich gar nicht. Eine funktionelle, gleichmäßig entwickelte Oberlinie ist weder im Freizeitbereich noch im Sportbereich selbstverständlich. Wir haben uns an kompensierende Körper, fehlende Muskulatur, Fettpolster, abgesunkene Rücken und sichtbare Asymmetrien teilweise so sehr gewöhnt, dass ein Pferd mit einer guten Oberlinie fast schon heraussticht.

Gerade an diesem Wochenende bekam der Topograph für mich deshalb noch einmal eine vollkommen andere Bedeutung. Natürlich wusste ich vorher, was das System kann. Sonst wäre ich kaum quer durch Deutschland gefahren, um diese Qualifizierung zu machen. Aber dort wurde mir klar, wie sehr dieses Werkzeug meine bisherige Arbeit ergänzt.

Ich leihe Pferdebesitzern schon lange meine Augen. Ich sehe Details, Körper, Bewegung, Verhalten, Reaktionen und Zusammenhänge. Ich sehe oft Dinge, die für andere Menschen noch gar nicht sichtbar sind. Nur hilft es wenig, wenn ich etwas sehe und mein Gegenüber nicht nachvollziehen kann, was genau ich meine.

Wie soll ich jemandem zeigen, was ich sehe, wenn dieser Mensch diese Sichtweise gar nicht hat?

Genau da braucht es Hilfestellung. Mit dem Topographen kann ich nicht nur sagen: „Schau mal, da verändert sich etwas.“ Ich kann einen Rücken vermessen, dokumentieren und später erneut vermessen. Ich kann Veränderungen vergleichen, Asymmetrien sichtbar machen und zeigen, wie ein Sattel auf diesem Rücken liegt. Genau das macht dieses System für mich so wertvoll.

Nicht jedes schwierige Pferd hat ein Trainingsproblem

Nicht jedes Pferd ist problematisch, weil der Sattel nicht passt. Aber viel mehr Pferde haben Probleme mit ihrem Sattel, als uns lieb sein dürfte. Und genau das macht dieses Thema für mich so traurig, denn Pferde leiden häufig sehr lange still unter Dingen, die wir Menschen dann als Verhalten interpretieren.

Sie werden beim Putzen unruhig, weichen aus, schnappen, wollen beim Satteln nicht stehen, legen die Ohren an, laufen nicht vorwärts oder werden als faul, zickig, guckig und widersetzlich beschrieben. Irgendwann wird aus einem körperlichen Problem ein Trainingsproblem, zumindest in unserer Wahrnehmung.

Ein unpassender Sattel erzeugt nicht nur Druck auf dem Pferderücken. Er kann zusätzlich den Reiter in eine ungünstige Position setzen. Der Reiter versucht wiederum, seinen Sitz auszugleichen, wodurch noch mehr Instabilität und Druck entstehen können. Ein Problem verstärkt das nächste und am Ende landet die Verantwortung wieder beim Pferd.

Die Möglichkeit, Pferderücken wirklich vermessen zu können, hilft mir deshalb enorm in meiner Arbeit. Sie beantwortet nicht jede Frage, aber sie macht etwas sichtbar, das wir nicht einfach wegdiskutieren können.

Und wer macht jetzt eigentlich die Qualifikation mit mir?

Im Laufe dieses ersten Tages hatte ich noch einen anderen Gedanken. Oder eher so ein Gefühl. Ich fragte mich plötzlich, wer von den Teilnehmern des Sattelseminars wohl die Qualifikation mit mir zusammen machen würde, denn die ist Voraussetzung dafür, später selbstständig mit dem System arbeiten zu können.

Ich behielt diesen Gedanken erst einmal für mich.

Am nächsten Tag bekam ich die Antwort.

Niemand....

Ich war alleine.

Ein wohl ziemlich großes Privileg für die Primel von Ærø. 😉

Damit wurde es dann allerdings auch ernst. Es folgten Messungen, Technik, Datenerfassung, Online-Arbeit, Pferde anlegen, Messungen korrekt dokumentieren und alles, was dazugehört. Irgendwann war ich kurz der Meinung, dass das vielleicht doch ein bisschen viel Input für meinen Kopf ist.

Herr Rieser und auch die Damen im Büro haben außerdem eine wunderbare Fähigkeit, durch ganz harmlose Zwischenfragen für innere Verwirrung zu sorgen.

„Ist das so?“

Ähm.

Sekunde.

War es gerade noch. 🤣

Zwischenfragen erhöhen die aktuelle Bewusstseinsaktivität jedenfalls ganz erheblich.

Wer jetzt glaubt, ich hätte abends gemütlich in meiner Unterkunft gesessen und an meinem Buch „Endlich mein Pferd verstehen lernen – durch Human Design und Horse Design“ weitergeschrieben, kennt meinen Kopf schlecht.

Vergiss es.

Kopf out of order.

Natürlich habe ich trotzdem Human Design berechnet

Völlig logisch hinderte mich das nicht daran, irgendwann trotzdem noch Human-Design-Charts anzuschauen. Wenn wir schon dabei sind.

Ich wollte wissen, wie eigentlich Nadine, Peaceful with Horses und EQUIscan miteinander zusammenspielen. Und diese Berechnungen haben mir ein ziemlich großes Grinsen ins Gesicht gesetzt und ungefähr genauso viele neue Fragen beschert.

Peaceful with Horses hat sehr viele Aktivierungen im Haus 6 und genau dort liegt etwas, das meine Arbeit schon immer ausmacht. Dinge alltagstauglich machen. Nicht komplizierter, nicht theoretischer, sondern so, dass ein Pferdemensch nach Hause gehen und etwas damit anfangen kann.

Ich sehe Details, sehe, was nicht rund läuft, und korrigiere Dinge, die nicht funktionieren. Allerdings nicht mit dem Ziel, irgendeinem starren System zu folgen. Es muss für diesen Menschen und dieses Pferd umsetzbar sein.

Und dann kommt EQUIscan dazu. Präsenz, Präzision, Details, messbare Ergebnisse und Dokumentation bekommen plötzlich noch einmal einen ganz anderen Wert. Und nein, das habe ich mir nicht passend ausgedacht. Genau diese Themen tauchen in den Charts auf.

Da saß ich also im Westerwald und dachte mir: Warum sollte das nicht genau meins sein? 🤣

Es lohnt sich durchaus, einmal in solche Business-Verbindungen zu schauen. Noch spannender finde ich oft die Verbindung zwischen Menschen und ihren Pferden, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Nach der Qualifizierung beginnt eigentlich erst die Arbeit

Das Wochenende in Obersteinebach war intensiv, vollgepackt mit Wissen, Technik und neuen Eindrücken und definitiv nicht frei von Herausforderungen. Nur ist eine Qualifizierung natürlich nicht damit beendet, dass man anschließend mit einem Koffer, einem Topographen und ein paar Werbemitteln nach Hause fährt.

Dann kommt nämlich der Teil, der mindestens genauso spannend ist: Man braucht Kunden.

Oder genauer gesagt Pferdemenschen, die wissen möchten, wie der Rücken ihres Pferdes tatsächlich aussieht und ob ihr Sattel dazu passt.

Hallo Komfortzone. 🤣

Mein Hauptgebiet sollte Dänemark sein. Also eigentlich nur ein Teil davon. Dachte ich.

Dann machte ich erste Recherchen, veröffentlichte einen Beitrag auf Facebook und stellte ziemlich schnell fest, dass die Interessenten natürlich nicht bei mir um die Ecke sitzen.

Nein.

Sie sitzen im Norden.

Also plante ich meine erste Tour.

Von Ærø nach Ebeltoft – plötzlich wird aus einer Idee eine Tour

Am 17. und 18. Oktober 2026 geht es von Ærø Richtung Ebeltoft. Wenn ich schon einmal dort oben bin, besuche ich außerdem Tove von Double T Saddlery in Ryomgård. Sie arbeitet als Sattlerin ebenfalls mit dem EQUIscan-System und ist damit für mich eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es nach einer Vermessung um die weitere Besattelung geht.

Denn genau darum geht es mir. Ich möchte nicht nur Daten erzeugen. Ich möchte ein Netzwerk aufbauen.

Pferdebesitzer brauchen nach einer Messung häufig jemanden, der mit den Ergebnissen weiterarbeiten kann. Einen Sattler oder eine Sattlerin, die versteht, was die Daten zeigen, und daraus konkrete Lösungen entwickeln kann. Für mich gehört beides zusammen: sichtbar machen, was ist, und anschließend Menschen miteinander verbinden, die damit sinnvoll weiterarbeiten können.

Parallel dazu verändert sich gerade auch meine Sichtbarkeit.

Facebook ist ohnehin mein Zuhause. Instagram war für meine bisherige Arbeit mit Peaceful with Horses dagegen immer schwierig, denn wie soll ich zeigen, was in einer Begleitung passiert? Wie filme ich, dass ein Mensch sein Pferd plötzlich versteht? Wie zeige ich, dass sich eine Beziehung verändert?

Meine Schüler werde ich jedenfalls nicht filmen, nur damit Social Media etwas zum Anschauen hat.

Menschen haben schon versucht, meine Arbeit zu erklären. Das Ergebnis war meistens ungefähr: „Ich weiß gar nicht, wie ich erklären soll, was Nadine macht. Es ist plötzlich alles so viel einfacher.“

Hilft Instagram ungemein. 🤣

EQUIscan ist anders. Man kann es sehen. Pferd, Rücken, Topograph, Messwerte, Sattel und Veränderungen lassen sich darstellen. Deshalb gibt es inzwischen einen eigenen Instagram-Account für diese Arbeit in Dänemark:

Und das „Nord“ steht dort nicht zufällig.

Auch Norddeutschland gehört perspektivisch zu meinem Gebiet. Gerade Mecklenburg-Vorpommern bietet sich an, wenn ich beispielsweise von einer Tour über Sjælland durch Deutschland zurückfahre und anschließend in Süddänemark weitere Ställe anfahre.

Im Frühjahr 2027 überlegen Dagmar Heller und ich außerdem, gemeinsam mit einem Stand auf der Equi Vital Expo vertreten zu sein.

Sichtbar werden noch einmal auf eine völlig andere Art.

Heute mit dem Zug in den Westerwald, morgen mit dem Auto durch Dänemark

Wenn ich darüber nachdenke, ist diese ganze Entwicklung schon ziemlich verrückt. Vor wenigen Wochen bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer nach Deutschland gefahren, mit Zugausfällen, Verspätungen und einem ungeplanten Unterkunftswechsel. Jetzt plane ich Touren mit dem Auto durch Dänemark.

Und ich freue mich darauf.

Dabei möchte ich bewusst nicht zwanzig Pferde in zwei Tage quetschen. Zehn Pferde pro Tourstrecke sind für mich eine gute Größe. Fünf Pferde auf dem Weg in den Norden, fünf auf dem Rückweg. So bleibt genug Zeit für jedes einzelne Pferd, die Messungen und die Sättel, ohne unnötigen Zeitdruck.

Eine Vermessung muss außerdem keine einmalige Sache bleiben. Gerade Verlaufsmessungen machen das System so interessant. Wie hat sich der Rücken nach einigen Monaten verändert? Was passiert durch Training, Gewichtszu- oder -abnahme? Wie verändert sich ein junges Pferd und passt derselbe Sattel wirklich noch immer?

Je nach Pferd und Situation können halbjährliche oder sogar vierteljährliche Kontrollen sinnvoll sein. Neue Pferde sind auf den Touren natürlich genauso willkommen und wenn die Nachfrage da ist, können diese Touren auch häufiger stattfinden.

Mein Tagesgeschäft bleibt rund um Ærø, Langeland, Als und das südliche Fyn. Dort lassen sich wunderbar mehrere Pferde an einem Tag zusammenfassen. Drei oder vier Pferde an einem Stall ergeben einen richtigen Stalltag und haben zusätzlich den Vorteil, dass sich die Anfahrt auf mehrere Pferde verteilt.

Pferderücken vermessen als Ergänzung von Peaceful with Horses

Eigentlich ist diese ganze Entwicklung eine ziemlich logische Ergänzung meiner bisherigen Arbeit.

Peaceful with Horses bedeutet für mich seit Jahren, Pferde ernst zu nehmen. Nicht nur ihr Verhalten und nicht nur das, was sie tun, sondern das, was dahintersteckt. Schmerz, Unsicherheit, Überforderung, Missverständnisse, körperliche Voraussetzungen, Lernverhalten, Nervensystem und die Beziehung zum Menschen gehören für mich zusammen.

Die Pferderückenvermessung beantwortet nicht jede Frage. Sie ersetzt keine gute Ausbildung, keinen Tierarzt, keinen Therapeuten und keinen guten Sattler. Aber sie kann eine unglaublich wichtige Frage sichtbar machen:

Wie sieht dieser Pferderücken tatsächlich aus und passt das, was wir darauflegen, wirklich dazu?

Damit ist die Rückenvermessung für mich ab jetzt eine weitere Untermalung von Peaceful with Horses und eine weitere Möglichkeit, Pferden eine Stimme zu geben.

Oder vielleicht besser gesagt:

ihre Stimme zu übersetzen.

Von Pferdisch auf Deutsch, Dänisch und Englisch.

 
 
 

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